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ANTIQUITY/ENVIRONMENT

Umweltverschmutzung in der Antike
(Thesenpapier)

Section Index


  1. Wahrnehmung
  2. Naturverständnis
  3. Umweltzerstörung
  4. Naturkatastrophen
  5. Bibliographie


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1. Wahrnehmung

Goldenes Zeitalter

"Als erstes entstand das goldene Geschlecht, das keinen Rächer kannte und freiwillig, ohne Gesetz, Treue und Redlichkeit übte. Strafe und Furcht waren fern, keine drohenden Worte las man auf öffentlich angebrachten Erztafeln, keine bittflehende Schar fürchtete den Spruch ihres Richters, sondern sie waren auch ohne Rächer geschützt. Noch nicht war die Fichte gefällt und noch nicht, um ferne Länder zu besuchen, von den Bergen in die klaren Fluten herabgestiegen; und die Sterblichen kannten keine Küste außer ihrer eigenen. Noch umzogen keine steil abfallenden Gräben die Städte, es gab keine Tuba aus geradem, keine Hörner aus gekrümmten Erz, keine Helme, kein Schwert: Ohne Soldaten zu brauchen, lebten die Völker sorglos in sanfter Ruhe dahin. Auch gab die Erde, frei von Laten und Pflichten, von keiner Hacke berührt, von keiner Pflugschar verletzt, alles von selbst...Ewiger Frühling herrschte, und sanfte Westwinde streichelten mit lauen Lüften die Blumen, die ungesät entsprossen waren. Bald trug ungepflügte Erde auch Getreide, und ohne nach einer Brache neu bearbeitet zu sein, war der Acker weiß voll schwerer Ähren." [Ovid. Metamorphosen. 89-110]

Eisernes Zeitalter

"Den Erdboden, der zuvor Gemeingut gewesen war wie das Sonnenlicht und die Lüfte, zeichnete der umsichtige Landvermesser mit einer langen Grenzlinie. Und man forderte vom ertragreichen Boden nicht nur Saaten und Nahrung die er uns schuldig war, sondern man wühlte sich in die Eingeweide der Erde. Und die Schätze, die sie nah bei den Schatten der Styx verborgen hatte, grub man aus - Anreiz zu allem Bösen. Schon war das gefährliche Eisen erschienen und das Gold, das noch gefährlicher ist als Eisen. Da erscheint der Krieg, der beides zum Kampf verwendet und mit blutiger Hand klirrende Waffen schüttelt. Man lebt vom Raub; kein Gastfreund ist vor dem Gastfreund sicher, kein Schwiegervater vor dem Schwiegersohn, auch zwischen den Brüdern ist Einvernehmen selten." [Ovid. Metamorphosen. 1, 135-145]

Naturferne

"... bei Menschen, die der Natur folgen, ist [der Charakter] umgänglich, gelöst, weist nur geringfügige Unterschiede auf; bei Nachtmenschen ist er verschroben, ist er von allen verschieden und untereinander. Aber dennoch scheint mir die vornehmlichste Ursache dieser Krankheit die Ablehnung der normalen Lebensart. Wie sie sich durch ihre gepflegte Garderobe von den übrigen unterscheiden, wie durch die Vornehmheit ihrer Mahlzeiten, die Eleganz ihrer Fahrzeuge, so wollen sie auch ihre Zeiteinteilung ganz für sich gestalten. Sie wollen nicht die üblichen Sünden begehen, denn ihnen gilt als Lohn der Verfehlung der schlechte Ruf. Nach ihm verlangen alle Menschen, die sozusagen rückwärts leben. Deswegen, Lucilius, müssen wir den Weg einhalten, den die Natur vorgeschrieben hat, und dürfen von ihm nicht abweichen: wenn man ihr folgt, ist alles leicht, mühelos; wenn man sich ihr widersetzt, ist das Leben nicht anders, als wollte man gegen die Strömung rudern." [Seneca ep. 122, 17-18]

Eroberung/Krieg

"... jenseits von uns gibt es kein Volk mehr, nichts als Meereswogen und Klippen, und gefährlicher als diese Römer, deren Überheblichkeit man vergeblich durch Unterwürfigkeit und loyales Verhalten zu entgehen meint. Diese Räuber der Welt durchwüh-len, nachdem sich ihren Verwüstungen kein Land mehr bietet, selbst das Meer; wenn der Feind reich ist, sind sie habgierig, wenn er arm ist, ruhmsüchtig; nicht der Orient, nicht der Okzident hat sie gesättigt; als einzige von alle begehren sie Reichtum und Armut in gleicher Gier. Plündern, Morden, Rauben nennen sie mit falschen Namen Herrschaft, und wo sie eine Öde schaffen, heißen sie es Frieden. Kinder und Angehörige sind für jeden nach dem Willen der Natur das Teuerste; sie werden uns durch Aushebungen entrissen, um anderswo Sklavendienste zu tun; Frauen und Schwestern, auch wenn sie des Feindes Begier entgingen, werden von solchen geschändet, die sich Freunde und Gäste nennen. Hab und Gut werden zu Steuern, der Jahresertrag der Felder zur Getreideabgabe, unsere Leiber aber und Hände beim Bau von Straßen durch Wälder und Sümpfe unter Schlägen und Beschimpfungen zerschunden..." [Anklage des Britannier-Fürsten Calgacus an die Römer; Tacitus. Agricola. 30-31]

Bleirohre

"Leitungen aus Tonröhren haben folgende Vorteile: Erstens, wenn irgendein Schaden an der Leitung eintritt, kann jeder ihn ausbessern. Auch ist Wasser aus Tonröhren gesünder als das durch Bleiröhren geleitete, denn das Blei scheint deshalb gesundheitsgefährlich zu sein, weil aus ihm Bleiweiß entsteht. Dies aber soll dem menschlichen Körper schädlich sein. Wenn nun das, was aus ihm entsteht, schädlich ist, kann es auch selbst zweifellos der Gesundheit nicht zuträglich sein. Ein Beispiel hierfür können uns die Bleiarbeiter liefern, weil sie eine bleiche Körperfarbe haben. Wenn nämlich Blei geschmolzen und gegossen wird, dann entzieht der von ihm ausströmende Dampf, der sich an den Gliedern des Körpers festsetzt und sie von dort ausbrennt, ihren Körperteilen die wertvollen Eigenschaften des Blutes. Daher scheint es ganz und gar nicht gut, daß man Wasser durch Bleiröhren leitet, wenn wir der Gesundheit zuträgliches Wasser haben wollen. Und daß der Geschmack des Wassers aus Tonröhren besser ist, kann schon die alltägliche Lebensgewohnheit zeigen, weil alle, auch wenn sie mit Silbergeschirr reich gedeckte Tische haben, dennoch Tongeschirr verwenden, weil bei seinem Gebrauch der Geschmack nicht beeinträchtigt wird." [Vitruv. De architectura. VI 10-11]

Menschlicher Einfluß

"Ungeheuer [deinos]: viel. Aber ungeheurer als der Mensch: nichts." [Sophokles. Antigone. 333]

"Wir vergiften die Flüsse und die Grundbestandteile der Natur; wir verwandeln gerade das, was unsere Lebensgrundlage ist, in Nägel für unseren Sarg." [Pliniu s. Naturalis Historia.18,3]

"Ihr habt den ganzen Erdkreis vermessen, Flüsse mit Brücken verschiedener Art überspannt, Berge durchstochen, um Straßen anzulegen, in menschenleeren Gegenden Poststationen eingerichtet und überall eine kultivierte und geordnete Lebensweise ein-geführt." [Aelius Aristeides. Romrede. 101]

"An die Stelle berüchtigter Einöden sind freundliche Kulturen getreten. Kornfelder haben die Wälder, Herden die wilden Tiere verdrängt. Sandwüsten werden bepflanzt, Felsen durchbrochen, Sümpfe getrocknet. Überall gibt es Anbau, Bevölkerung, staatliche Ordnung, Leben." [Tertullian. De Anima. 30

Zerstörung

"Damals war dieses Land noch unversehrt, mit hohen, von Erde bedeckten Bergen, [..] und auf den Höhen gab es weite Wälder, von denen heute noch deutliche Spuren sichtbar sind. [..] Und vor allem bekam [das Land] von Zeus jedes Jahr sein Wasser, und dieses ging nicht wie heute verloren, wo es aus dem kärglichen Boden ins Meer fließt..." [Platon. Kritias. 111a-e]

"Man durchgräbt die Erde auf der Jagd nach Reichtum [...] Wir durchforsten alle Adern der Erde und leben auf ihr dort, wo sie ausgehölt ist, und wundern uns noch, daß sie zuweilen auseinanderbricht und zittert, also ob dies nicht in Wahrheit aus dem Unwillen der Mutter Erde gedeutet werden könnte . Wir dringen in ihre Eingeweide und suchen am Sitz der Schatten nach Schätzen, so als ob sie dort, wo man auf ihr gehen kann, nicht genügend gütig und fruchtbar wäre." [Plinius nat. hist. 33,1. 33,33. 33,73]







2. Naturverständnis:

  • Im antiken, besonders im römischen Naturverständnis, ist Natur insbesondere dann schön und vorteilhaft, wenn sie vom Menschen genutzt und kultiviert wurde. Zwar ist die Natur - neben den "größeren" Göttern des griech.-röm. Kanons - von unzähligen kleineren Göttern und Nymphen besiedelt, gibt es auch religiöse Tabus, die den Eingriff in die Natur verhindern sollten, doch dennoch siegt meist ein auf menschlichen Nutzen kalkulierender Pragmatismus, der es durchaus versteht, die Götter dennoch zu besänftigen.

  • In der Römischen Welt, besonders im Kaiserreich, gilt die Bezwingung der Natur als Herausforderung, die Zurückdrängung natürlicher Ressourcen wie von Wäldern und Sümpfen wird als Sieg des Menschen über die Natur verstanden. Römische Straßen sowie römische Landparzellierung gehen dabei geradlinig und rechtwinklig vor - ein Sieg der Geometrie über die zu kultivierende Natur.

  • Eine pointierte Wahrnehmung von der Endlichkeit der materiellen Güter, von einem Verlust der Lebensgrundlage, gab es in der Antike - wie auch bis weit in die Neuzeit hin - nicht. Anders als Flußkulturen wie Ägypten, die sich der Funktion des Nils als lebensspendendes Element inmitten der Wüste durchaus bewußt sein mußten, herrschte in Italien wie auch in Griechenland weitestgehender Überfluß vor. Ohne die Erfahrung der Endlichkeit natürlicher Ressourcen mußte ein Umweltbewußtsein fehlen.







3. Umweltzerstörung:

Eine derartige Unterwerfung der Natur (der allerdings auch - wie erwähnt - eine Verklärung der Natur als Wohnsitz der Götterwelt gegenübersteht) kann nicht ohne Folgen bleiben. Hier eine Auswahl in der Antike bereits vorhandenen Umweltprobleme:

  • Abholzung der Wälder zum Flottenbau, für Heizmaterial und zur Mineralverhüttung und daraus folgend Erosion (vgl. Kritias), Überschwemmungen, Unfruchtbarwerden des Bodens, Verwüstung von Landstrichen

  • "Kultivierung" der Wälder und somit Beeinträchtigung von Flora und Fauna

  • Flußregulierung und damit Überschwemmungen und Dürren

  • Trockenlegung von Sumpfgebieten und damit Dürre und Beeinträchtigung von Flora und Fauna

  • Unzureichende Müll- und Abwasserentsorgung und daraus Verschlechterung von Stadtbild, Hygiene, Wasserqualität; Entstehung und Förderung der Ausbreitung von Krankheiten

  • Bleivergiftung durch Verwendung von Blei- statt Tonrohren für die Trinkwasserzufuhr

  • Artensterben und -gefährdung durch übermäßige Jagd, Überfischung und Export exotischer Tiere

  • Luftverschmutzung durch extensive Metallverhüttung (v.a. Kupfer und Eisen). Dadurch hervorgerufene Metallrückstände konnten in Sedimentschichten skandinavischer Seen sowie im Grönlandeis nachgewiesen werden.

  • Extensiver Bergbau - v.a. Kupfer, Eisen, Blei, Gold; dadurch Zerstörung von Hängen und ganzen Landstrichen (Spanien)

  • Lärm - v.a. im städtischen Bereich

  • Urbanisierung und Zersiedelung ehemals ländlicher Bereiche, Zurückdrängen der Natur

  • Zerstörung durch Krieg, auch konsequentes Unfruchtbarmachen feindlicher Äcker durch Ausstreuen von Salz

  • Herbeiführung von Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Erosion, aber auch Gefährdung der Siedlungen durch Bau an ungeeigneten Stellen wider besseres Wissen (Vesuv)







4. Naturkatastrophen:

  • Naturkatastrophen wie Erdbeben, Tsunamis, Überschwemmungen, Hangrutsch etc. wurden meist übernatürlichen Phänomenen zugeschrieben, sei es Konkurrenz unter den Göttern, die Rache der Götter aufgrund Verfehlungen der Menschen oder der Kampf zwischen Göttern und Titanen.

  • Ein effektives Bewußtsein für die Zerstörung der Natur durch den Menschen und das daraus hervorgerufene Entstehen von Naturkatastrophen gab es in der Regel noch nicht. Wo derartige Kritik laut wird, basiert sie zumeist auf moralischen Erwägungen. Es gab allerdings auch Ansätze, derartige Katastrophen "wissenschaftlich" zu erklären.

  • Wie sehr auch in der Antike Umweltzerstörung (trotz mangelhafter Quellenlage) nachgewiesen werden kann, so sind die Dimensionen derer nicht vergleichbar mit denen der Neuzeit. Auch fehlte damals ein heutiges Umweltverständnis, wobei dieses heutzutage aber wohl eher der Not folgend existiert, weniger aus tatsächlicher Sorge um die Natur. Umwelt ist zunächst immer Umwelt des Menschen, und deren Einfluß auf menschliche Lebensqualität







5. Bibliographie

  • Holger Sonnabend. Naturkatastrophen in der Antike. Wahrnehmung - Deutung - Management. Stuttgart/Weimar: Metzler 1999
  • Günther E. Thüry. Die Wurzeln unserer Umweltkrise und die griechisch-römische Antike. Salzburg: Otto Müller 1995
Antike Quellen: siehe Quellenangaben bei den Zitaten

Internet-Links:

PJK
January 4th, 2000





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