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Phil John:
CONFICTIO - DECERTATIO I:
WEGE
Eichwalde, April 2nd, 1997 - P#50
I. Verwegene Pfade Erflehen die Gnade Des Schicksals und warten. Schon lange verharrten Sie, endlos erscheinend Und sinnlos so leidend. Die Pforte der Zeit War noch nicht bereit Zu lassen sie gehen Und ihn ja verstehen, Wes Kind er ja ist. So denn er vergißt All' einstiges Denken, Erliegt fernem Lenken Und ferner Kontrolle; Die treibende Scholle Auf tosenden Fluten Nur läßt ihn vermuten, Was liegt noch so fern Und ist denn der Kern, Des Rätsels wohl Lösung, Des Kranken Genesung.
II. Verweigerte Fragen Wohl nervend nur nagen Und kratzen gar heftig Uns schmecken zu deftig, Als ließen sie zu Die winzigste Ruh'- In aller Verklemmung Und störender Hemmung Das Denken doch wartet Und langsam denn startet Zu fernen Gefilden. Das Inn're vertilgen Die Geister des Zweifels, Des finstersten Teufels Und himmlischsten Boten, Ja, Spuren sie loten Und suchen nach Fragen Und wollen gleich haben Die Antwort auf diese, Daß gleich denn auch fließe Des Tages Erleben In neuestes Streben.
III. Doch all dieses Drängen Und stetiges Zwängen Und Zwänge zerschlagen Und niemals verzagen Nicht alles erklärt. So langsam verzehrt Die Glut denn im Herzen, Des Herzens ja Schmerzen, Den Menschen sodann. Was, wenn er nur kann Genügen den Ander'n Und ständig nur wandern Auf fertigen Wegen, Und jeglicher Segen Verläßt alles Reden Und einstiges Beten Und künftiges Tun. Ist alles denn nun Vergebens und stirbt, Für ewig nur wirbt Um Gnade und fällt In unserer Welt?
IV. Denn Wandel ist fern, Man hört es nicht gern, Wenn Schande man brachte Und jeder nur lachte Ob dieser Verwirrung Und tiefer Verirrung. Nichts schmerzlicher ist Und stärker vermißt Die Hoffnung allhier. Das innerste Tier Erlebt einen Schlag Und leidet den Tag, Beherrscht ja das Sein Und schaffet nur Pein. Denn ohne Gedanken Wir würden ja wanken, Zu Fall kommen stets. Zu schnell ja vergeht's, Zu schnell ist's vertan, Zu schnell schwebt der Wahn Durch Abschied vom Alten Und kann zu schnell walten.
V. So Unrast geboren, Die Ruhe verloren Und nie mehr gefunden, Das Selbst losgebunden Und schwebend dahin Zu neuerem Sinn. Doch findet es ihn? Wie soll es ja flieh'n, Wenn alles versperrt, Wenn alles verzehrt Und nichts ist geblieben, Nichts mehr denn zu lieben, Nichts mehr denn zum Leben, Nichts ist mehr gegeben? Das Neue nur winket, Das Alte versinket, Das Alte, so schwer, Es ist doch zu sehr Ein Hängen an Dingen, Das alles Gelingen In uns mag zerstören, Daß Klagen nur währen.
VI. Wo bleibet der Halt? Welch Ruf denn erschallt Zu helfen uns dann? Und wer dieses kann? Das Schicksal ist gnädig Und ewig ja tätig Auf ewig Geheiß: Mit stetigem Fleiß Zu bauen doch langsam Ist leider zu mühsam, Und frühere Träume Vermissen die Zäume Und brechen hervor. Das eiserne Tor, Das einst sie ja hielt, Ist fort, und es stiehlt Die Sicherheit dann, Es kommet bald an Und fragt nach dem Sinn Und nach dem Gewinn, Doch oft ist der Zweck Der andere Weg.
 April 10th, 1999
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Phil John:
CONFICTIO - DECERTATIO II:
CONDITIO
Eichwalde, May 24th, 1997 - P#61
I. In ruhig' Gefilden Und friedlich' Gebilden Der Frieden liegt leise Und ewige Weise Von neuem zu singen Und ganz zu erklingen Versucht - und ertönet. So alles verschönet Und alles verkläret, In allem nun währet Ein Hauch dieses Traumes, Des irdischen Raumes, Des Traumes so ewig Und während so stetig, Kein Zweifel ihn töten, Ja, keine der Nöten Kann jemals erreichen, Daß möge er weichen Und niemals erschallen Ja hinter den Wallen Und in den Ruinen Und feindlichen Linien.
II. So mag er ja geben Vor allem den Segen Der Ruhe und Freude. Doch dieses Gebäude, Es bleibt nicht bestehen, Es kann niemals wehen In all' unsren Zeiten, In all' unsrem Streiten Die Fahne des Sieges, Der Ton dieses Liedes. Denn nichts von den Wegen, Die wir ja betreten, War ewig verbunden Mit siegreichen Kunden. Aus Blut stets geboren Und kämpfend erkoren War alles am Ende - Ein' jegliche Wende Erkauft stets mit Toten, Den schreienden Boten Und schweigenden Zeugen, Die niemals sich beugen.
III. Was unsere Taten In all' unsren Staaten Ja reinigen würde, Es hält an der Hürde Von Glauben und Hoffnung - Zu geben die Haftung Für all' unser Streben Und all' unser Leben: Ja nie wird's geschehen, Ja nie wird denn wehen Die Einheit als Fahne Vor unserem Kahne, Der treibt durch die Zeiten. Nur Er kann bereiten Am Ende der Tage Ein Ende der Lage, Die uns hat gefangen Und hält uns umfangen Mit blutigen Händen; Wir können nichts wenden, Wir können nur schlichten, Versuchen zu richten.
IV. Denn unsere Wege Woll'n sehen uns rege, Nicht ruhend, nicht stehend, Nicht selbst schon vergehend. Wenn ewig das Drängen In Fesseln uns zwängen, In Kriege uns senden Und seh'n uns verenden; Dann ist nicht die Beute, Dann ist nicht das Heute, Dann ist nicht das Morgen Vor uns ja verborgen. Denn ohne zu wehren Den ständigen Heeren Des Dunkels und Tiefen, Die Kriege doch riefen, Ja soll'n wir nicht leben, Doch sollen verweben Die Zukunft in allen, In kommenden Schallen Des Liedes des Traumes Des ewigen Raumes.
V. Es lohnt nicht zu wanken Vor drohenden Schranken Und finsteren Mienen. Mit brennenden Striemen Und tosenden Feuern Und all' Ungeheuern Sie kämpfen und toben Und ewig nur loben Zerstörung und Brände Und mordende Hände. Das Sterben des Lichtes, Des ew'gen Gerichtes, Ist stets ja ihr Ziel. Doch ist dies zu viel - Ihr Scheitern wird kommen Und wird ja vernommen. Sie sind ja verloren, Sie sind nur geboren Zu zeigen die Wege, Auf denen gar rege In allen Getrieben Der Gegner beschrieben.
VI. Was ist nun dies Streben, Dies ewige Geben Von wechselnden Seiten, Von Frieden und Streiten? Ist niemals ein Ende, Sind niemals die Stände Und Festen der Zeiten Zu Ruh' zu verleiten? Ist all' dieses Drängen Aus drückenden Zwängen Und in sie verweben Und kämpfen dagegen Am Ende nicht leidig? Und haben wir's nötig Zu zeigen den Kleinen Die Macht, um zu scheinen Mehr, als wir zu denken Und auch denn zu lenken Ja sind in der Lage? Doch kommen die Tage, Wo Hochmut wird fallen, Ja, fallen mit Schallen.
 April 10th, 1999
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